Der Fortschritt lässt Medizin-Kosten explodieren
Freitag, 18.02.2011
Jeder Deutsche verursacht pro Jahr durchschnittlich 470 Euro Behandlungskosten, wenn er regelmäßig zum Arzt geht, berichtet der Arztreport der Barmer Krankenkasse und nennt auch den Grund für die ansteigenden Kosten: den technischen Fortschritt, werden doch immer mehr Patienten mit modernen Diagnosemethoden untersucht.
Einer der Autoren des Arztreports, Thomas Grobe berichtet, dass Männer im mittleren Lebensalter geringere Behandlungskosten verursachen als Frauen, sich dies aber umkehrt ab einem Alter von etwa 70 Jahren. Die Grundlage der Berechnung war die Grundvergütung, die niedergelassene Ärzte für ihre Patienten bekommen und ergab, dass 20- bis 24-jährige Männer im Schnitt knapp 180 Euro Behandlungskosten verursachen. Bei Männern zwischen 80 und 84 Jahren sind es 980 Euro pro Jahr.
Dennoch ließe sich trotz dieser Zahlen die genaue Anzahl der Arztbesuche nicht ermitteln, wurde die ärztliche Vergütung doch im Jahr 2009 verändert. Es sei jedoch davon auszugehen, dass im Schnitt jeder Deutsche nach wie vor 18-mal pro Jahr eine Arztpraxis aufsucht. Dem gegenüber verwies der Vizechef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, darauf, dass nur ein Bruchteil der Patienten mehr als zehn Mal pro Jahr zum Arzt gehe. Über 90 Prozent der Versicherten seiner Kasse hätten nur einmal pro Jahr Kontakt zum Arzt und nur 40 Prozent würden vier oder mehr Ärzte besuchen. „Es wäre übertrieben, von einem Hang zum Ärzte-Hopping zu sprechen“, sagte Schlenker. Auch ohne in ein „Hausarztprogramm“ eingeschrieben zu sein, gehe die Mehrheit erst zum Haus- und dann zum Facharzt.
Um ein paar Beispiele zu nennen, wohin die Kosten für die Patientenbehandlungen gehen: Allein zwei Milliarden Euro pro Jahr zahlen die Krankenkassen für Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) und diese Verfahren werden immer häufiger eingesetzt. Der Anteil der Menschen mit mindestens einer MRT stieg seit 2004 um 41 Prozent, beim CT waren es 26 Prozent und somit liegt Deutschland an der Spitze des internationalen Vergleichs.
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