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Die Geschichte des Arzttums

Der Beruf des Arztes ist schon sehr alt. Auch wenn die aktiven Ärzte sich vielleicht nicht als solche, sondern eher als Heiler betrachteten, halfen sie schon ihren Mitbürgern bei deren Gebrechen. Die früheste belegbare Operation fand vor ungefähr 50.000 Jahren statt, in der Zeit der sogenannten späten Neandertaler. Man fand die Überreste eines Mannes, dessen Arm amputiert wurde in Shanidar, dem heutigen Irak. Funde im Elsass belegen, dass bereits die Menschen in der Leinenbandkeramischgen Kultur (5500-4900 v. Chr.) fähig waren, gebrochene Gliedmaßen zu scheinen, damit diese verheilen konnten. Zwischen 3000-2000 v. Chr. gibt es viele Funde, wie aus der Schnurkeramischen Kultur, die Gehirnoperationen bezeugen und nach den Wundrändern darauf schließen lassen, dass diese gut verheilt sind.
 
Das erste von einem Heilkundigen ausgestellte Rezept wurde auf einer sumerischen Tontafel gefunden um 2000 v. Chr. Mit diesem ersten schriftlichen Zeugnis beginnt die Medizingeschichte. Auf dem Gesetzeskodex von Hammurabi, dem ersten vollständigen Gesetzeskodex aus der Regierungszeit des Hammunrabi (1792-1750 v. Chr.) werden beispielsweise die Regelungen des Arztberufes dargelegt. Auch in Ägypten gab es viele heilkundige Ärzte, die sich nicht nur durch ausgefeilte Fertigkeiten in der Mumifizierung hervortaten, sondern auch schon komplexe Operationen durchführen konnten. Auch gab es im alten Ägypten in der Gemeinschaft der Ärzte ein ausdifferenziertes Spezialistentum unter den einzelnen Fachrichtungen. Der älteste Fund eines Verbandes stammt aus der vorrömischen Eisenzeit (800 v. Chr.). Ungefähr zu dieser Zeit begannen die Etrusker Goldzähne in das Gebiss einzupassen, um die Kaufähigkeit zu erhalten.

Gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. entstand in Griechenland die sogenannte rationale Medizin. Diese geht unter anderem auf Hippokrates von Kos zurück, welcher 330 v. Chr. den hippokratischen Eid verfasste, an den sich die Ärzte heute noch halten. Bei der rationalen Medizin wurde der Körper beobachtet und versucht durch gezielte Einwirkungen seine Selbstheilung zu unterstützen. Mit der Zeit entwickelte sich in Alexandria ein großes medizinisches Zentrum, in dessen Klima viele wichtige Entdeckungen gelangen. Auch wurden erste Sektionen, Leichenschauen, durchgeführt. Zwei für die nachfolgenden Jahrhunderte sehr wichtige Ärzte waren Galenus von Pergamon (129-216) und Aulus Cornelius Celsus (25 v. Chr.– 50). Ersterer verbreitete die Lehren des Hippokrates und entwickelte diese weiter. So ist er der Vater der Humoralpathologie, der Viersäftelehre mit Blut, schwarze und gelbe Galle und Schleim, welche als grundlegendes Krankheitskonzept bis ins 19. Jahrhundert hinein Bestand haben sollte. Aber auch Celsus verfasste mit seiner achtbändigen medizinischen Enzyklopädie ein Standardwert, welches bis in die Neuzeit benutzt wurde.

Während des Mittelalters ging leider viel medizinisches Wissen verloren, dennoch entwickelte sich die Medizin in Klöstern weiter mit besonderem Augenmerk auf die Verwendung von natürlichen Kräutern. Besonders Hildegard von Bingen (1098-1179) leistete mit ihrer Zusammentragung des damaligen Wissens über Krankheiten und Heilkräuter viel für die weitere Medizingeschichte.
Im 14. Jahrhundert werden die ersten Augengläser als Lesehilfe verwendet, um beispielsweise das erste Lehrbuch der Anatomie zu lesen, welches 1316 erschien. Es stammt von dem Bologna Mediziner Mondino deo Liucci. 1345 eröffnet die erste Apotheke in London, in der man Arznei und weitere medizinische Mittel erwerben konnte.

Mit Beginn des 18. Jahrhunderts, als durch die Aufklärung die Medizin ihre gesellschaftliche Stellung verbessern konnte, wurde die Medizin immer mehr verwissenschaftlicht und verstärkt an den Universitäten gelehrt. Die diplomierten Ärzte verdrängten zunehmend andere Heilberufe. So wurden weniger Hebammen zur Geburt herangezogen als vielmehr Gynäkologen. Auch die Chirurgie und die Zahnheilkunde gelangten zunehmend in die Obhut der Ärzte, lagen sie doch vorher bei den Badern und Friseuren. Die erste promovierte Ärztin war die Arzttochter Dorothea Christiane Erxleben geb. Leporin (1715-1762), welche 1754 ihren Doktor in Medizin an der Universität Halle (Saale) abschloss.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte die medizinische Entwicklung einen enormen Sprung. Es wurden nicht nur immer mehr Behandlungsverfahren entwickelt, auch immer bessere Eingriffe wurden möglich durch die Entdeckung des Morphiums Dank des deutschen Apothekers Friedrich Wilhelm Sertürner (1783-1841). Durch die eingeführte Narkose konnte sich die Chirurgie auf alle Bereiche des Körpers ausweiten. Auch wurde durch die Entwicklung der Zelltheorie der Weg zur Entwicklung der Histologie und von da zur mikroskopischen Pathologie geebnet. Der Pathologe Rudolf Virchow (1821-1902) verbreitete die Lehre, dass die Zelle der Ort der Erkrankung sei, und löste somit die bis dahin gültige Lehre den vier Körpersäften ab. Auch bewirkte Charles Darwin (1809-1882) mit seiner Evolutionstheorie einen völlig neuen Blick auf den menschlichen Körper und seine Anatomie. Den Grundstein für die Humangenetik legte der Augustinermönch und Botaniker Gregor Mendel (1822-1884), mit seiner Vererbungslehre. Auch machte die sich verbreitende Hygiene vielen Krankheiten ein Ende und half Infektionen vorzubeugen. In das 19. Jahrhundert fällt auch der Beginn der Spezialisierung der Ärzte auf ein bestimmtes Fachgebiet, wie es heute noch der Fall ist.

(Quelle: http://www.deutschlandmed.de/deutsch/medizingeschichte/meilensteine.html)